Es heißt, man wird enttäuscht, wenn man seinen Vorbildern und Helden begegnet.
Da war Jane Goodall wohl eine Ausnahme…
Ich traf sie im Rahmen eines Auftrags in Wien. Es galt, sie und ihr weltweites Führungsteam zu fotografieren. Das Timing war knapp, die Location mir vorab unbekannt, und meine Aufregung ob der anstehenden Herausforderung schon relativ am Anschlag. Wie sollte ich in einem einfachen Portrait einer Ikone gerecht werden und gleichzeitig den Auftrag nicht aus den Augen verlieren?
Letztlich besann ich mich auf mein Mantra: „Es geht nicht um mich, den Fotografen. Es geht nur um mein Gegenüber und seine Geschichte.“ Und so war plötzlich eine imposante, aber schlichte Zimmerpflanze zur Stelle, um mir als Hintergrund zu dienen.
Nachdem die halbe Welt vor mich getreten war, um sich von mir ablichten zu lassen, kam auch sie… Jane Goodall war da. Und sie enttäuschte nicht – denn diese kleine und zarte Frau, die zu jedem Zeitpunkt von einigen Menschen umschwirrt wurde, war so herzlich, wohlig warm und weich, wie man es nur von Menschen kennt, die ein herausforderndes und intensives Leben gemeistert haben und nun nichts mehr beweisen müssen.

Jane Goodall im Portrait von Marko @zlouma Zlousic
Und trotz all dem und auch der Müdigkeit, die ihr in den Knochen zu stecken schien, merkte man ihr die Geradlinigkeit und den Drive jederzeit an. Ihr Portrait war innerhalb von Minuten im Kasten, sie sehr zufrieden und ich deutlich erleichtert. Dann trat ich auf sie zu – mit einer Bitte. Ein Selfie mit ihr wollte ich nicht, das erschien mir irgendwie nicht richtig. Aber ich bat um ein Autogramm in eines der absoluten Lieblingsbücher meiner Tochter – Good Night Stories for Rebel Girls – gleich auf der Seite 89, neben ihrem Portrait. „For Klara – Follow your dreams“, schrieb sie dort hinein.
Und während ich vor lauter Freude und väterlichem Stolz den total Sentimentalen bekam, begann Jane plötzlich mich davon überzeugen zu wollen, ein Foto mit ihr zu machen. Ich wehrte mich ein wenig – wollte den Augenblick und die paar wertvollen Minuten mit ihr nicht mit einem Bild durchkreuzen. Doch sie beharrte so lange, bis ich mein Handy an eine ihrer Mitarbeiterinnen weitergab.
Und während ich mich noch immer lieber dem Gespräch mit ihr widmete, musste sie ein weiteres Mal insistieren und mich darauf aufmerksam machen, dass ich doch bitte auch mal in die Kamera sehen solle, damit ein gutes Bild dabei herauskommt. Schließlich sollte meine Tochter auch ein ordentliches Beweisfoto haben – und ihren Vater umso mehr lieben.
Heute, einige Jahre später, denke ich nun an diese Begebenheit zurück und realisiere, dass es Jane Goodall damals wohl auch mehr um ihr Gegenüber ging als um sich selbst – und sich diese Haltung wohl wie ein roter Faden auch durch ihr Leben zog.
Sie hat wirklich nicht enttäuscht.
Rest in Peace, liebe Jane.





